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Als die Welt das Licht des Neons erblickte

Ein Jahrhundert Neonlicht - stark und hell

Vor mehr als 100 Jahren erblickte die Welt das Licht der Neon-Hochspannungsröhre.

Vor allem der Helligkeits-Nutzen der damals sensationellen neuen Lampe für die Beleuchtung rief die Begeisterung der Menschen hervor. Darüber hinaus entzücken bis heute die mit ihr verbundenen individuellen Gestaltungs-Möglichkeiten Jung und Alt gleichermaßen.
Das Neonlicht überzeugt inzwischen nicht nur in der Lichtwerbung, wo es traditionell einen herausragenden Stellenwert besitzt, sondern auch in der Innenarchitektur, im Showgeschäft
und in der Kunst.

30 Jahre vor der Herstellung der ersten brauchbaren Neonröhre erleuchtete allein die Glühlampe (volkstümlich auch die Glühbirne) die Wohnzimmer, Büros und Reklametafeln.
Aber dann bekam sie Konkurrenz: einen mit Gas gefüllten Glaskolben - die Neonröhre. Bekannt war das Prinzip der elektrischen Gasentladung. Fast 10 Jahre zuvor, nämlich 1898, entdeckte man das Neongas als chemisches Element. 1909 gelang es schließlich dem französischen Physiker und Chemiker George Claude (1870 - 1960), eine brauchbare Neonröhre herzustellen.
Zuerst leuchtete damals nur rotes Licht. Es dauerte doch nur wenige Jahre bis mit chemischen Zusätzen farbige Neonröhren gefertigt werden konnten. Die neuen Lampen waren zunächst teuer und hielten nicht lange. Ihr Licht war aber stark wie kein anderes.
Die Zuverlässigkeit erhöhte sich in den neun Jahrzehnten ihrer Existenz durch das Können der Fachleute und die Auswahl von Technik und Material.

Nach dem 2. Weltkrieg hielt zunächst die standardisierte, massenhaft gefertigte Leuchtstofflampe breiten Einzug auch in die allgemeine Raumbeleuchtung. Sie war erstmals auf der Weltausstellung 1937 in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Doch wegen ihres sehr weißen Lichtes kam sie schnell in Verruf als kalte Billiglampe, als Arbeitsbeleuchtung.
Wegen ihrer Wirtschaftlichkeit aber ist sie auch heute aus großflächigen Beleuchtungsanlagen nicht mehr wegzudenken.

Unschlagbar unterdessen blieb das individuell gefertigte Neonrohr mit seiner Lichtstärke und Farbvielfalt. Besonders die Popkultur der 50er Jahre ließ das Neonlicht Hochzeiten erleben. Tanzende Neonlichtpärchen an Hauswänden, blinkende Autos und funkelnde Sterne, dampfende Kaffee-Tassen - alles im Lichterschein des Neons - durchzuckte die Nächte, belebte die Städte. Auch wenn dies inzwischen etwas ruhiger daher kommt, so verkünden noch heute an unzähligen Einzelhandels-Geschäften, Hotels und Restaurants weithin sichtbar Neonschriften überall auf dieser Erde ihre Lichtbotschaften an die zu lockenden Kunden.
Und immer wieder werden neue Ideen geboren. Auf Showbühnen und in Fernsehstudios haben Neonkonturen längst Einzug gehalten und sorgen für attraktive Fernsehbilder und Effekte. Selbst propagandistische Losungen, wie »Der Sozialismus siegt«, wurden in den 70er Jahren mit roten Neonrohrsystemen auf Hausdächern installiert, die länger gehalten hätten, als die Inhalte, die die Sprüche vermitteln sollten.
China dürfte sich übrigens in den nächsten zwanzig Jahren zum weltweit größten Neonlicht-Markt entwickeln.

Nicht zu vergessen ist die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handwerksberufs Hochspannungs-Leuchtröhren-Glasbläser. Selten zwar, aber beeindruckend hinsichtlich der Fähigkeiten: ruhige Hände, gute Lungen, gesundes Farb- und Formempfinden sind erforderlich, um meisterliche gläserne Schriften unter bis zu 1300 Grad heißen Flammen zu formen.

Annähernd 200 Betriebe sind in Deutschland im Fachverband Lichtwerbung organisiert, die 1998 ca. 838 Mio. DM umsetzten - viele von ihnen mit eigenen Neon-Glasbläsereien.
Diese traditionellen Arbeitsplätze sind durch keine Technik zu vertreiben, höchstens durch
Billig-Arbeit aus Fern-Ost, Osteuropa oder Amerika (bei den Massenprodukten, wie Neondisplays). Qualitätsanforderungen, Service und Individualität verlangen aber auch in Zukunft den Glasbläser-Profi vor Ort.

Heute läßt das für seine Neonlichter berühmte Las Vegas überall auf der Welt grüßen.
Viele Lichtplaner und Architekten, Gastwirte und Geschäftsleute greifen immer wieder gern zum Neonlicht, um Leute zu locken, um sich bei Ihren Gästen und Kunden fest einzubrennen, um sich unverwechsel- und unübersehbar zu machen. Dazu taugt kein anderes Licht so sehr wie dieses.

Die Werbung hat das natürlich schon lange erkannt. Deshalb bleibt das Neonlicht auch eines der am meisten verwendeten Lichtwerbeelemente, der Klassiker sozusagen, obwohl natürlich neue Lichtquellen und Gestaltungsmöglichkeiten hinzugekommen sind, wie z.B. die Halogenlampen, Metall-Dampf-Lampen oder neuerdings die LED´s.

Immer wieder bestätigt sich: Für viele Werbeaufgaben gibt es einfach nichts Stärkeres und Besseres als das Neonlicht. Sowohl als innenliegendes, verdecktes oder als offenes Neonrohr verkündet es - richtig plaziert - weithin sichtbar die Werbebotschaften und Logos professioneller und erfolgreicher Unternehmen - mit Sicherheit auch im neuen Jahrtausend.

von Dr. Uwe Teichert, Leipzig